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Rathaus Schwalenberg

Die Maler- und Trachtenstadt Schwalenberg besitzt mit seinem Rathaus ein hervorragendes Beispiel der Fachwerkbaukunst im Stil der Weserrenaissance.

Das Rathaus liegt am Hauptzugang der Altstadt. Städtebaulich verzweigt sich hier die enge Zufahrt in die Seitenstraßen, die den ältesten Teil des Ortskerns erschließen. Durch seine Lage dominiert es das Stadtbild, obwohl es nicht wie andere Rathäuser im Mittelpunkt des Ortes liegt. Jeder Besucher, der sich dem Zentrum der Stadt nähert, muss beim Betreten als auch beim Verlassen des Ortes das Rathaus passieren. Dabei ist sein reich verzierter Straßengiebel auf den Ortskern und die Burg ausgerichtet.

Der heutige Baukomplex setzt sich aus vier unterschiedlichen Bauteilen zusammen: Der giebelständige Kernbau aus dem Jahre 1579, der linke Anbau mit Ratsstube von 1603, der rückwärtige Bruchsteinanbau von 1853 und der rechte Anbau von 1907/08.

Die üppigen Schmuck- und Zierformen sind Ausdruck des damaligen bürgerlichen Selbstbewusstseins gegenüber dem Landesherrn aber auch der wirtschaftlichen Blütezeit des Ortes.

Imponierend und besonders markant ist der vorragende, reich beschnitzte Schaugiebel der Straßenfassade mit den Rundbögen im Erdgeschoss.  Die viel zitierte Annahme, dass sich hinter den Rundbögen einst eine offene Markthalle befunden habe, konnte nach der bauhistorischen Untersuchung von 1994 nicht belegt werden. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass das Erdgeschoss schon zur Bauzeit geschlossen war, zumal spätestens seit 1629 der „Ratskeller“ seine Gasträume hier hatte. Gleichwohl erweckt die Bogenstellung mit der zurückgesetzten Außenwand architektonisch den Anschein einer ehemals offenen Halle.

In den Brüstungsfeldern des Kernbaues von 1579 finden sich Varianten der Fächerrosetten. Die drei Bogenstellungen im Erdgeschoss, Füllhölzer und Schwellbalken im Giebel sind mit dem Tauband geschmückt. An den Schwellbalken befinden sich auch die typischen profanen und religiösen Inschriften und Sinnsprüche. Sie spiegeln die Weltanschauung der örtlichen Gesellschaft wider:

Balken zum Dachgeschoss:

MINSCHE GEDENCKE WAT DV BETENGEST DEN LIECK VND RECHT WARET LENGST WERSTV AS SCHELM VND SCHENNER VNRECHT HANDELN SO MOSTV THOM LESTEN IN DE HELLE WANDRN

(Mensch bedenke, was du bedeutest, denn Geradheit und Recht dauern am längsten. Wirst du als Schelm und Schinder unrecht handeln, so musst du zum Schluss in die Hölle wandern.)

Riegel unter den Fenstern:

VOL THO SIN EGEN VORDEL RAIDT IN HAS BI ALLEN KOMT VND TREIBT VERSTORETHAIT:

(Wer zu seinem eigenen Vorteil rät, kommt bei allen in Hass und treibt Verstocktheit.)

WOL GEBRVKET BOS GEWICHT STRAFT GOT AM JVNGSTEN GERICHT.

(Wer gebraucht falsch Gewicht, straft Gott am jüngsten Gericht.)

Auf dem Balken zum Dachgeschoss:

WEN GODT MIT VNS WOLL KANN DEN WEDDER UNS! Paulus ROMANUS AM 8 CAP.

(Wenn Gott mit uns, wer kann dann gegen uns! Paulus Römerbrief 8 Kap.)

Die interessantesten Darstellungen sind auf den Brüstungsfeldern über dem mittleren Bogen zu sehen. Links befindet sich erzengelgleich die Justitia mit Schwert und Waage - allerdings ohne verbundene Augen. Darüber die Inschrift: JUSTITIA DIGERIT OMNIA – die Gerechtigkeit ordnet alles. Ein Indiz dafür, dass das Rathaus wohl auch Gerichtssitz war.

An zentraler Stelle über dem Bogen findet sich der heraldische Hinweis auf die lippisch-paderborn’sche Samtherrschaft über Schwalenberg. Rechts stehen die heraldischen Motive Löwe und Greif, zwischen ihnen der Baum des Lebens.

Der Anbau von 1603 fügt sich in die Fachwerkkomposition des Kernbaus nahtlos ein, unterscheidet sich jedoch in seinen Schmuckformen. Der Eckständer ist mit Beschlagwerkornamenten verziert. In den Brüstungsfeldern dominieren streng symmetrisch angeordnete Pflanzenmotive, die an den Enden in Fabelköpfe übergehen. Aus der jeweiligen Mittelachse wächst eine Lilienblüte, die aus christlicher Sicht die Reinheit und Keuschheit darstellt und in enger Verbindung mit der Marienverehrung steht. Zusammen mit den beiden plastisch herausgearbeiteten “Neidköpfen“ an der Hausecke, mit der die volkstümliche Vorstellung von Dämonenabwehr verbunden war, ergibt sich an der „Ratsstube“ eine skurrile Mischung aus Religiosität, Fidelität und Aberglaube. An den Balken zum Obergeschoss und im Giebel findet sich das weitverbreitete Zahnschnittdekor.

Nach einer intensiven Renovierung des Rathauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts trat auch die Frage nach der Vergrößerung bzw. Schaffung eines Festsaales in den Vordergrund. Der rechte Flügel des Rathauses, erbaut 1907 – 1908, wurde in seiner Erscheinung dem Altbau angepasst. Links des Rathausbogens sind das lippische Wappen, die Rose, rechts das Schwalenberger Wappen, der Stern mit der Schwalbe zu sehen. Über dem Bogen die „Germania“, Sinnbild des 1871 politisch geeinten Deutschen Reiches. Die Inschrift „DURCH FÜRSTENHULD ZUR STADT GEMACHT HALT BUERGERTREUE GUTE WACHT“ erinnert an die erneute Erhebung Schwalenbergs zur Stadt durch Fürst Leopold IV im Jahre 1906.

Im Rathaussaal befinden sich an den Wänden Bilder von Friedrich Eicke, die das Leben in der Ackerbürgerstadt Schwalenberg zu Beginn des 20. Jh. zeigen. Links im sog. „Alten Saal“ vor dem „Bürgermeisterzimmer“ befindet sich ein wertvolles Bild aus dem 17. Jahrhundert von E.T. Höfflinger: Die Gründung des Klosters Marienmünster durch Graf Widukind von Schwalenberg 1128. Das Bürgermeisterzimmer präsentiert das alte Ratsgestühl aus dem 19. Jahrhundert sowie verschiedene Bronzefiguren des Bildhauers Jakob Wedel, die Schwalenberger Brauchtum und Folklore repräsentieren. 

Und das sollten Sie sich in Schwalenberg auch ansehen...

  •          Altstadt Schwalenberg
  •          Stadtwasser
  •          Burg
  •          Jüdischer Friedhof

 

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