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18.05.2020

Malerstadt Schwalenberg - Bild der Woche

Der Landesverband Lippe wird bis zur Öffnung der Museen jeweils ein „Bild der Woche“ auswählen, von verschiedenen Künstler*innen, die in der historischen Künstlerkolonie gearbeitet haben, und dieses Bild mit einem kurzen Text  präsentieren.

Doch die Malerstadt Schwalenberg wäre nicht Künstlerort, wenn man dort nicht immer auf den Spuren der Künstler wandeln könnte, die schließlich vor allem wegen der idyllischen Landschaft und den verwinkelten Gassen und pittoresken Fachwerkhäusern nach Schwalenberg kamen.

Deshalb wird die Malerstadt Schwalenberg bis zur Öffnung der Museen jeweils ein „Bild der Woche“ auswählen, von verschiedenen Künstler*innen, die in der historischen Künstlerkolonie gearbeitet haben, und dieses Bild mit einem kurzen Text auf der Homepage der Kulturagentur unter https://www.landesverband-lippe.de/angebote/malerstadt-schwalenberg/sonderveranstaltungen/sowie auf der Facebook-Seite der Stadt Schieder-Schwalenberg unter  https://www.facebook.com/Stadt.SchiederSchwalenberg und unter  www.schieder-schwalenberg.de präsentieren. 

Bild der Woche 1

Hans Licht (Berlin, 1876-1935) Tal im Lippischen Südosten, Öl auf Hartfaserpappe, undatiert, 75 x 86 cm. Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: U. Heinemann, Detmold

Die Gemälde, die der Berliner Impressionist Hans Licht in Schwalenberg schuf, zeugen von einer hohen Qualität mit bestechender Farbigkeit und Lichtwirkung. Dieser besondere Sinn für die Farbigkeit lässt sich in unserem Bild der Woche, der Arbeit „Tal im lippischen Südosten“, gut nachvollziehen. Ein kleiner Bach windet sich knapp neben der Bildmitte durch eine liebliche hügelige Landschaft, rechts und links davon grasbewachsene Hügel mit Laubbäumen in Herbstfarben – leuchtendes Gelb, zartes Rot, dunkles Grün. Der Pinselduktus ist bei den Bäumen und dem Gras kräftig, teil tupfend, teils flächig, die Leuchtkraft wird durch helle und weiße Höhungen erzeugt. Im Hintergrund wird der Pinselstrich feiner, das Tal öffnet sich zu weiteren, bläulichen Hügeln und einem blauweiß-gräulichen Himmel ohne Wolken. Das Bild strahlt eine friedliche Ruhe aus.

Der Berliner Künstler Hans Licht (1876-1935) zählt zu den wichtigsten Künstlern, die in der Künstlerkolonie in Schwalenberg regelmäßig arbeiteten. Er war ein geachteter Landschaftsmaler und gehörte zu den führenden Impressionisten der Berliner Künstlerszene. Er sorgte für eine wachsende Popularität Schwalenbergs in der Berliner Kunstszene. Bereits 1908 reiste er nach Schwalenberg, und kehrte in den folgenden Jahren immer wieder dorthin zurück und erteilte in Schwalenberg auch Mal- und Zeichenunterricht.

Seit 1906 führte Hans Licht in Berlin eine eigene Malschule, dort bildete er angehende Berufskünstler und Zeichenlehrer aus, unterrichtete aber auch interessierte Laien. Insbesondere Frauen zählten zu seinen Schülerinnen, da diese bis zum 1. Weltkrieg von einem Studium an der Kunstakademie ausgeschlossen waren. Hans Licht bemühte sich zeit seines Lebens um eine Anstellung an einer staatlichen Kunsthochschule, erreichte diese aber nie – vielleicht auch aufgrund seiner jüdischen Herkunft.

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg richteten sich seine Malstunden in Schwalenberg zuerst vorrangig an Interessierte vor Ort, bald schon brachte er auch Malschüler aus Berlin mit nach Lippe. Im Jahr 1920 beispielsweise reiste Licht mit vierzig Schülern in Schwalenberg an und betrieb dort den gesamten Sommer über seine Malschule.

Bild der Woche 2

Robert Kämmerer-Rohrig (Berlin 1893-1977 Schwalenberg), Waldeingang bei Schieder, 81 x 76 cm, Öl auf Leinwand, 1923, Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: U. Heinemann, Detmold

Ein Waldweg, ein Spiel von Licht und Schatten, stimmungsvolle Farbigkeit: die Arbeit „Waldeingang bei Schieder“ von 1923 fängt in impressionistischer Manier einen Moment ein, der Einsatz der Farben erzeugt die besondere Atmosphäre eben dieses Augenblicks. Ein Weg windet sich durch einen lichten Wald, gesäumt von hellgrün belaubten Bäumen und verschwindet hinter einer Hügelkuppe. Die Wirkung von Licht und Schatten der durch die Blätter fallenden Sonne ist durch getupfte helle Höhungen auf Weg und Gras eingefangen. Der Betrachter scheint am Anfang des Weges zu stehen und ist somit in die Szene mit einbezogen. Der Ausschnitt ist klein, lediglich ein Stück des Weges bis zum Hügel, dahinter ein kurz erhaschter Blick auf die Bäume weiter hinten und einen kleinen Himmelsausschnitt; ein Blick auf die weite Landschaft bleibt verborgen. Eine Momentaufnahme, vielleicht auf einem Spaziergang. Der Betrachter kann die Stimmung des Waldes, die Ruhe, die Wirkung von Licht und Schatten erleben.

Robert Kämmerer-Rohrig (1893‑1977) zählt zu den Berliner Künstlern, der wiederholt und für längere Aufenthalte nach Schwalenberg kam, bis er sich 1949 ganz dort niederließ. Es sind zahlreiche Arbeiten von seiner Hand erhalten, die Motive aus Schwalenberg und Umgebung zeigen – sowohl Gemälde in Öl, als auch Radierungen und Federzeichnungen – großteils in realistischem, teils auch in impressionistischem Stil.

Robert Kämmerer-Rohrig wurde 1893 in Kassel geboren, als Sohn des Kunstmalers Robert Kämmerer und seiner Frau Lina, geb. Rohrig. 1894 zog er mit seiner Familie nach Berlin; der Vater begeisterte ihn schon früh für die Kunst, und so immatrikulierte er sich zum Wintersemester 1913/14 an der Königlichen Kunsthochschule und studierte bei Prof. Paul Vorgang und Prof. Friedrich Kallmorgen Landschaftsmalerei. Um sich von seinem Vater zu unterscheiden, signierte er seine Bilder zunächst mit „Kämmerer jr.“ oder „Kämmerer-Cassel“, erst nach dem Tod seiner Mutter 1928 fügte er ihren Geburtsnamen Rohrig hinzu.  

1915 wurde Kämmerer-Rohrig zum Kriegsdienst eingezogen und geriet 1916 in Kriegsgefangenschaft. Dort lernte er den Schwalenberger Alfons Aldegarmann kennen, der ihm von der Malerstadt erzählte und für die Zeit nach der Gefangenschaft dorthin einlud. 1920 kehrte Kämmerer-Rohrig nach Berlin zurück und studierte noch drei Semester an der Kunsthochschule unter dem Nachfolger des inzwischen emeritierten Friedrich Kallmorgen, Olaf Jernberg. Im Frühjahr 1921 reiste Kämmerer-Rohrig erstmals nach Schwalenberg; in den folgenden Jahren kam er regelmäßig mit seiner Frau, später auch mit seinen Kindern, nach Schwalenberg, um dort zu malen.  Von 1936-1939 war Kämmerer-Rohrig Mitglied im Verein Berliner Künstler. Nach dem 2. Weltkrieg fiel sein Wohnort Kleinmachow bei Berlin in die Sowjetische Besatzungszone, weshalb er sich 1949 zur Übersiedelung in den Westen entschloss. Er zog nach Schwalenberg, wo er bis zu seinem Tode 1977 lebte. Er war der einzige Künstler der ehemaligen Künstlerkolonie, ausgenommen jene, die ihre Wurzeln im Lippischen hatten, wie z.B. Emil Zeiss, der sich dauerhaft in Schwalenberg niederließ.

Bild der Woche 3

Nelly Cunow (Berlin, 1893-1982, Eystrup), Burg in der Schwalenberger Landschaft, Öl/LW, 76 x 96 cm, undatiert, Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: U. Heinemann, Detmold

Die Arbeit „Burg in der Schwalenberger Landschaft“ zeigt die liebliche Hügellandschaft rund um Schwalenberg mit den Feldern und Wiesen, die in beinahe expressionistischer Manier als Farbfelder dargestellt sind. An einen Hügel im Mittelgrund schmiegt sich das Dorf, erkennbar die roten Dächer sowie der Kirchturm zwischen dunklen Bäumen. Oben auf dem Hügel erhebt sich die Burg, auch diese nur durch Farbflächen angedeutet. Der Pinselduktus ist kräftig und flächig, nur an einigen Stellen ergänzt durch kleine, getupfte oder als Linien gezogene Details, wie Bäume, Zäune, Kühe und Häuser. Die Arbeit zählt zu den frühen Landschaftsbildern von Nelly Cunow, die in den Farben kontrastreicher und geometrischer im Aufbau sind als die späteren Landschaften.

Nelly Cunow (1893-1982, später Nelly Cunow-Deetjen) war Schülerin von Wilhelm Müller-Schönefeld, Willy Jaeckel und Hans Licht in Berlin. Hans Licht zählte zu den führenden impressionistischen Malern in Berlin und Willy Jaeckel war ein wichtiger Vertreter des deutschen Expressionismus. So erhielt Nelly Cunow, obwohl sie als Frau vom Studium an einer staatlichen Kunstakademie ausgeschlossen war, eine hervorragende künstlerische Ausbildung. In den Jahren von 1910 bis 1917 unternahm sie die verschiedensten Studieneisen und ab 1918 verfügte sie in Berlin über ein eigenes Atelier.  Nelly Cunow kam als Schülerin von Hans Licht mit diesem gemeinsam nach Schwalenberg. Der genaue Zeitpunkt des ersten Aufenthaltes von Nelly Cunow in Schwalenberg ist nicht mehr zu belegen, in jedem Fall war sie aber um 1920 in dort, aus dieser Zeit sind Arbeiten von ihr mit Schwalenberger Motiven erhalten.

Nelly Cunow lebte in Berlin mit ihrer Mutter zusammen und pflegte sie in späteren Jahren auch. Ihre eigene Heirat schob sie um der Mutter willen lange auf, erst nach deren Tod 1939heiratete Nelly Cunow den aus Bremen stammenden, wesentlich älteren Ingenieur Richard Deetjen und zog mit ihm von Berlin nach Eystrup im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. Seitdem signierte sie ihre Arbeiten mit Nelly Cunow-Deetjen. 1982 starb Nelly Cunow-Deetjen im Alter von 89 Jahren in Eystrup. Sie hinterließ einen umfangreichen Nachlass aus 70 Jahren künstlerischem Schaffen, der sich heute zu einem großen Teil im Kreismuseum in Syke befindet.

Künstlerinnen wie Nelly Cunow waren für die Malerstadt Schwalenberg sicherlich prägend – und somit für die damalige Kunstszene in Lippe, die sich zu einem großen Teil an Schwalenberg und den dort arbeitenden Künstlern aus Städten wie Berlin orientierte. Sie öffneten für das beschauliche Lippe das „Tor zur Welt“ im künstlerischen Sinne und gaben Impulse weiter, die sich auf der Höhe der Zeit befanden. So fanden alle künstlerischen Stile Eingang nach Schwalenberg und beeinflussten auch die Künstler vor Ort. Gleichzeitig wiederum wurde die idyllische Landschaft um Schwalenberg durch Bilder mit lippischen Motiven auch überregional bekannt gemacht.

Text: Mayarí Granados

Bild der Woche 4

Hans Northmann (Hamburg 1883- 1972): Schwalenberg, Altes Rathaus, Öl auf Hartfaser,

43 x 33 cm, um 1928.  Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: U. Heinemann, Detmold

 

Nicht nur die idyllische Landschaft rund um Schwalenberg war es, die Künstler anzog, sondern auch der historische Stadtkern mit seinen Fachwerkhäusern und verwinkelten Gassen. Der Hamburger Maler Hans Northmann, der in den 1920er Jahren nach Schwalenberg reiste, malte um 1928 das Schwalenberger Rathaus. Das Gebäude wurde 1579 im Stil der Weserrenaissance als Rathaus erbaut und 1603 und 1907 um Anbauten erweitert.  Das Gebäude gilt als das bedeutendste Bauwerk der Schwalenberger Altstadt.

Hans Northmann malt eine Ansicht im Anschnitt: das Rathaus nimmt zwar den Hauptteil des Bildes ein, ist aber am rechten Bildrand angeschnitten. Links vom Gebäude geht der Blick über die Gasse, im Hintergrund ein bewaldeter Hügel und ein wolkiger Himmel. Auf der Gasse sind verschwommen zwei Fußgänger zu erkennen; eine Frau mit langem Rock und Kopftuch, dahinter ein Mann mit Spazierstock. Das Fachwerkgebäude ist in seinen typischen Farben mit rötlich gefassten Balken gemalt, die Schnitzereien jedoch, die den besonderen Charakter des Gebäudes ausmachen, sind nur verschwommen farblich angedeutet, ganz im impressionistischen Stil. Auch der Sonnenfleck, der sich im Vordergrund über den Boden ausbreitet, erzeugt eine impressionistische Stimmung.

Hans Northmann wurde 1883 in Hamburg geboren und studierte von 1904-1908 Malerei, Zeichnen sowie Kunstgeschichte an der allgemeinen Gewerbeschule am Steintorplatz in Hamburg. 1908 erhielt er die Befähigung, Zeichnen zu unterrichten und begann seine berufliche Laufbahn als Gewerbeschullehrer. Von 1915 an wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und begann im April 1919 wieder als Lehrer in Hamburg zu arbeiten, 1920 erhielt er den Beamtenstatus.  

Hans Northmann reiste in den 1920er Jahren mehrfach in die Lüneburger Heide, die Künstlerkolonien Worpswede und Schwalenberg sowie nach Holland, ab 1931 folgten weitere Reisen ins Ausland.

Von seinen Reisen sind verschiedene Gemälde in einem realistisch-impressionistischen Stil erhalten. In der Zeit bis 1939 war Northmann in verschiedenen Ausstellungen vertreten, auch mit seinen Landschafts- und Reisebildern. 1939 wurde Northmann erneut zum Kriegsdienst eingezogen. 1941 starb sein einziger Sohn Hans-Joachim mit 24 Jahren, und 1944 wurde Northmann verwundet aus dem Kriegsdienst entlassen, mit 61 Jahren. 1945 wurde er in Folge seiner Kriegsverletzung aus dem Schuldienst entlassen und pensioniert.  Trotz seiner Verwundung an der Hand nahm Northmann das Malen und auch seine Reisen wieder auf. 1972 starb er in Hamburg.  

Text: M. Granados

Bild der Woche 5

Alfred Ullmann, Die Schwalenburg, Öl auf Leinwand, 57 x 71 cm, 1915.

Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: U. Heinemann, Detmold

Alfred Ullmann gehört zu den Berliner Künstlern, die als Schüler von Hans Licht nach Schwalenberg kamen. Sein Gemälde „Die Schwalenburg“ von 1915 wirkt skizzenhaft und beinahe unvollendet. Es kam dem Licht-Schüler eindeutig auf das schnelle Einfangen der Stimmung bei Sonnenuntergang an – die schon düstere Farbigkeit des Weges, der Felder und des Waldes, die Burg, die fast nur als Schattenriss auf dem Hügel zu erkennen ist, sich aber deutlich vor der leuchtend gelb-orangen Farbigkeit des Himmels abhebt. Der Pinselduktus ist teils mit sehr schnellen, groben Strichen ausgeführt, die den Bildträger durchschimmern lassen.

Hans Licht war einer der führenden Impressionisten in Berlin Anfang des 20. Jahrhunderts. Er arbeitete mit seinen Schülern viel in der Natur, „Plein-Air“. Es kam ihm in seinem Unterricht hauptsächlich darauf an, dass die Schüler eine bestimmte Stimmung einfingen, z.B. eine Morgen-, Mittags- oder Abendstimmung und diese direkt in den Gassen oder der umgebenden Landschaft auf Papier brachten. Diese Studien wurden dann später im Atelier diskutiert. Hans Licht verlangte nicht, dass seine Schüler ihre Arbeiteten vollendeten, er legte vielmehr Wert auf einen gelungenen Ansatz, eine gekonnt eingefangene Stimmung.

Dies ist in der Arbeit von Alfred Ullmann deutlich nachzuvollziehen.

Hans Licht reiste bereits 1908 nach Schwalenberg. Er kehrte in den folgenden Jahren immer wieder nach Schwalenberg zurück und erteilte vor Ort auch Mal- und Zeichenunterricht. In seiner privaten Malschule in Berlin bildete er angehende Berufskünstler und Zeichenlehrer aus, unterrichtete aber auch interessierte Laien. Richteten sich seine Malstunden in Schwalenberg zunächst vorrangig an Interessierte vor Ort, brachte er in den folgenden Jahren immer mehr Malschüler aus Berlin mit nach Lippe. Diese Studienreisen waren fester Bestandteil der Ausbildung in seiner Malschule.

Es ist kaum nachvollziehbar, welche der zahlreichen Berliner Schüler Hans Lichts in Schwalenberg arbeiteten. Einige Namen sind dennoch überliefert, zum Beispiel Alfred Ullmann, von dem eine sehr frühe Arbeit aus Schwalenberg erhalten ist.

(Text: M. Granados)

Bild der Woche 6

Karl Henckel (Horn 1881- 1950), Waldeingang, Öl /Leinwand, 91 x 76 cm,
Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto. U. Heinemann, Detmold

Drei Laubbäume dominieren die Arbeit „Waldeingang“ von dem Maler Karl Henckel aus Horn. Jedoch sind nicht die ganzen Bäume zu sehen, sondern ein Anschnitt: die Stämme der Baumgruppe sowie die unteren Äste. Die Baumkronen, die ausladend zu sein scheinen, sind am oberen Bildrand abgeschnitten. Der Betrachter findet sich so in der Rolle eines Spaziergängers wieder, der im Begriff ist, den Waldweg, der an den Bäumen vorbeiführt, zu betreten. Karl Henckel hat den goldenen Schnitt als Grundlage verwendet: der ganz rechte Baum befindet sich genau auf der Mittelachse des Bildes, die Baumstämme der beiden anderen, weiter hinten liegenden Bäume sind links davon. Rechts an den Bäumen führt eine Art Weg – über eine Wiese - in den dahinterliegenden Wald hinein. Die Bäume im Hintergrund sind teils grün, teils leuchten sie herbstlich gelb. Der Horizont im Hintergrund zeigt einen blauen Himmel.

Karl Henckel konzentriert sich in seiner Arbeit auf die Wirkung von Licht und Schatten: so ist die Wiese im Vordergrund überschattet von den Baumkronen, dazwischen blitzen hellere, von der Sonne beleuchtete Partien hervor. Der Pinselduktus ist grob, die Farben als Farbfelder nebeneinandergesetzt, so dass eine impressionistische Wirkung erzielt ist. Die Bildtiefe wird durch die hellen und dunklen Farbpartien verstärkt. Ganz klar ging es Henckel darum, die spezielle Atmosphäre eines sonnigen Tages, unterbrochen von den Schatten der Bäume im Wald, einzufangen.
Karl Henckel wurde am 12.6.1881 als jüngster von fünf Brüdern und einer Schwester in Horn in Lippe geboren. Er und sein vier Jahre älterer Bruder Robert interessierten sich für die Kunst, als Kinder lernten sie 1891 den schwedischen Maler Anders Montan aus Malmö kennen, der in verschiedenen lippischen Orten malte, und die Brüder sehr beeindruckte.
Die Eltern Luise und Georg Henckel schickten ihren Sohn um 1895 zur Firma Klingenberg nach Detmold, wo er eine Ausbildung als Lithograph machte. 1908 verließ Karl seine Heimat, um Kunst zu studieren. Von 1908 bis 1914 war er an der Kunstakademie in Dresden, wo er bei Professor Carl Bantzer Landschaftsmalerei studierte. Nach den Kriegsjahren folgte er 1919 seinem Lehrer und späteren Freud Carl Bantzer nach Kassel an die Kunstakademie.1921 kehrte Henckel nach Horn zurück, wo er bis zu seinem Tode 1950 als Kunstmaler tätig war. Lange Jahre war er Vorsitzender des Lippischen Künstlerbundes. Außerdem arbeitete er immer wieder in der Künstlerkolonie Schwalenberg, wo er in Kontakt mit den Künstlern trat, die dort regelmäßig malten.

(M.Granados)

Bild der Woche 7

Friedrich Eicke (Dortmund 1883-1975 Berlebeck): Markt in Schwalenberg, Öl / Leinwand um 1925

Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: Ulrich Heinemann, Detmold.

Friedrich Eicke malte 1925 den Marktplatz in Schwalenberg im realistisch-impressionistischen Stil, der zu dieser Zeit von vielen Malern ausgeübt wurde. Dabei romantisiert Eicke das ländliche Leben zu einer Idylle: bei schönem Sonnenschein unter einem blauen Himmel zieht ein Bauer mit blauer Jacke und Strohhut mit seinem Ochsenkarren über den Marktplatz mit den schiefen Fachwerkhäusern, auf der linken Bildseite tummeln sich zwei weiße Gänse auf dem sonst leeren Platz. Im Vordergrund taucht der Schatten eines Baumes, dessen Äste man angeschnitten rechts oben am Bildrand sieht, den Weg in dunklere Partien, auf dem Platz selbst im Bildmittelgrund leuchtet helles Sonnenlicht. Die Ackerbürgerhäuser sind gut erkennbar und realistisch gemalt: ein grünes Fachwerkhaus links im Vordergrund, mit einem Giebel an der Gebäudefront, daran anschließend ein ockergelbes Fachwerkhaus sowie eine fortgesetzte Reihe von unterschiedlich verputzen Ackerbürgerhäusern in Weiß und Ocker. Im Hintergrund schließt der Platz mit den Giebelfachwerkhäusern am Polhof ab, die auch heute noch erhalten sind. 

Die Ansicht zeigt den Marktplatz in Schwalenberg in Richtung Polhof, mit den Ackerbürgerhäusern, von denen drei im Jahr 1945 zerstört und nicht mehr aufgebaut wurden.

Friedrich Eicke wurde 1883 in Dortmund geboren, 1887 zog die Familie nach Münster. 1898 ermöglichte ein Stipendium Friedrich Eicke den Besuch der Düsseldorfer Kunstakademie, so dass Eicke sein Studium dort bereits in Alter von 15 Jahren aufnehmen konnte, seine Lehrer waren Arthur Kampf und Peter Janssen. 1902 verließ er die Düsseldorfer Kunstakademie, ging nach Berlin und absolvierte nach einem Jahr sein Examen als Zeichenlehrer. 1903 trat er eine Stelle in Düsseldorf an, 1907 ging er als Zeichenlehrer an einem Gymnasium ins ostpreußische Goldap. 1920 zog Eicke mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ins lippische Berlebeck nahe Detmold, wo er bis zu seinem Tod lebte und arbeitete.

Friedrich Eicke gehörte zu den „Düsseldorfer Künstlern“ die sich häufig in der Malerstadt Schwalenberg aufhielten und die Geschichte als Malerstadt entscheidend prägten. Seine Fassadenmalereien an der „Künstlerklause“ sind auch heute noch ein sichtbares Zeichen für Schwalenbergs Geschichte als Malerstadt; außerdem sind von Eicke auch Wandmareleien im Saal des Schwalenberger Rathauses erhalten.

Friedrich Eicke bemalte das Fachwerkhaus „Künstlerklause“ 1930‑1933 nach dem Vorbild süddeutscher und österreichischer Fassadenmalerei. Anlass für die Neugestaltung der Fassade war der Umbau des ehemaligen Gasthofes Meier, der 1927 in „Künstlerklause“ umbenannt worden war. Das Gasthaus, das von Hermann Niederbracht geführt wurde, entwickelte sich bereits in den 1910er Jahren zum Mittelpunkt der Künstlerkolonie. Dort trafen sich die Künstler, präsentierten ihre Arbeiten, diskutierten sie und stellten sie zum Verkauf. Niederbracht, der ein leidenschaftlicher Kunstsammler war, erwarb so eine umfangreiche Bildersammlung.

Neben den großformatigen Wandmalereien sind von Eicke zahlreiche Gemälde und Zeichnungen erhalten. Zentrale Themen seiner realistisch - impressionistischen Malerei waren Landschaftsdarstellungen, Porträts, Stillleben und Interieurs.

(M.Granados)

Bild der Woche 8

Hans Bruch (Breslau 1887‑1913 Berlin), Schwalenberger Glockenhaus um 1600 (Stadttor), Aquarell, 27,5 x 33,5 cm, 1910. Slg. Städtische Galerie Schwalenberg Foto: U. Heinemann, Detmold 

Das Bild zeigt in dokumentarisch wirkendem Charakter eine Stadtansicht, die aus der Phantasie Bruchs sowie auf der Grundlage alter Stadtbeschreibungen entstand. Rechts die Ansicht des Schwalenberger Rathauses, in der Mitte ein nicht mehr existierendes Gebäude, das Glockenhaus. Bruch hat die Stimmung des mittelalterlichen Ortes eingefangen durch die historischen Gebäude, die er mit Liebe zum Detail darstellte, aber auch die „Urtümlichkeit“ betont, zum Beispiel durch den Misthaufen, der links im Bild mitten in der Stadt zu finden ist.

Der Berliner Maler Hans Bruch (1887‑1913) spielte eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Schwalenberger Malerkolonie. Er wurde am 18. März 1887 in Breslau als drittes von vier Kindern des Komponisten Max Bruch geboren. Im Jahr 1890 zog die Familie nach Berlin-Friedenau. Im Sommersemester 1904 immatrikulierte sich Hans Bruch an der Königlichen Hochschule für Bildende Künste. Ab 1910 konzentrierte er sich auf den Bereich Landschaftsmalerei bei Prof. Friedrich Kallmorgen, außerdem nahm er Unterricht in Porträt- und Aktmalerei bei Lovis Corinth in den Studien-Ateliers für Malerei und Plastik. 

1906 kam er zusammen mit seinen Künstlerkollegen Berthold Ehrenwerth und Albert f Kiekebusch durch einen Studienaufenthalt in Bad Pyrmont nach Schwalenberg. In Schwalenberg verstand es der Gastwirt Hermann Niederbracht, die drei Künstler zu einem längeren Aufenthalt zu überreden. Bis zu seinem frühen Tod 1913 kam Hans Bruch jeden Sommer für mehrere Wochen nach Schwalenberg und schuf zahlreiche Werke, in denen er die verträumten Winkel des mittelalterlichen Städtchens festhielt. Dabei fing er nicht nur damals existierende Schwalenberger Stadtmotive ein, sondern malte auch längst verschwundene Bauten wie das Alte Tor oder die einstige mittelalterliche Burganlage, so auch im Aquarell „Schwalenberger Glockenhaus um 1600“ von 1910. 

(M. Granados)

Bild der Woche 9

Robert Koepke (Bremen, 1893-1968): Landschaft mit Blick auf Stadt und Burg Schwalenberg, Öl /Hartfaser, undatiert (nach 1927). Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: Ulrich Heinemann, Detmold.

In leuchtendem, frühlingshaftem Grün erscheint diese Landschaft von Robert Koepke. Links am Bildrand im Vordergrund ein Bach, an dessen Ufer der einzige hohe Baum dieser Komposition wächst, der seine Äste in das Bild hinein streckt. Rechts geht die Komposition in eine hügelige Wiesenlandschaft über, unterbrochen von einigen niedrigen Büschen und Bäumen in dunklerem Grün. Erst im Bildmittelgrund erhebt sich ein bläulich wirkender Hügel, der von einer Burg bekrönt ist, die der Betrachter nur verschwommen erkennt: die Schwalenberger Burg, die in diesigem Blau verschwimmt. Dahinter setzt sich der Horizont in helleren bläulichen Farbabstufungen fort und geht in den hellblauen Himmel über.

Robert Koepke wählte für sein Bild eine klassische Darstellungsweise der Landschaftsmalerei: eine abgestufte Farbigkeit, die im Hintergrund immer heller wird und somit die Weite der Landschaft sichtbar werden lässt. Mit diesem abgestufte Farbempfinden und der ordnenden Kompositionsfähigkeit führte Koepke die Tradition hervorragender deutscher Landschaftsmalerei fort und bekannte sich auch bewusst zu ihr.

Robert Koepke wurde am 7. Mai 1893 in Bremen geboren. Nach Abschluss der Volksschule machte er eine kaufmännische Lehre. Abends besuchte er Zeichenlehrgänge an der Kunstgewerbeschule Bremen. Nach Abschluss seiner Lehre zog er nach Hamburg, und bildete sich an der Hamburger Kunstgewerbeschule als Maler und Grafiker weiter. Ende 1914 wurde Robert Koepke zum Kriegsdienst eingezogen, nach dem Krieg kehrte er nach Bremen zurück und nahm seine Studien an der Kunstgewerbeschule wieder auf. 

In seinen jungen Jahren wurde Koepke von den Worpsweder Malern beeinflusst, zu denen er bereits früh Kontakte hatte, und während der Kriegsjahre experimentierte er mit den Ausdruckformen des Expressionismus.  Um 1925 jedoch kehrte er wieder zu einer eher realistischen Malweise zurück. Insbesondere seine späte Schaffensperiode war eher penibel als experimentierend. Dennoch haben Koepkes Arbeiten ihren eigenen, unnachahmlichen Stil; er blieb eigenwillig und aussagefreudig in der Komposition und Farbe seiner Ölarbeiten, wandte sich jedoch wieder stärker dem Thema Landschaft zu.

Um 1927 machte Koepke eine Radtour nach Lippe, die ihn auch nach Schwalenberg führte. Die Landschaft dort faszinierte ihn sogleich und bot einen reizvollen Kontrast zu seinen bisherigen Bildmotiven der norddeutschen Tiefebene: das Bergland des südöstlichen Lippe verlangte seinem Farbempfinden ganz neue Aufgaben ab. Koepke erschien Schwalenberg und die lippische Landschaft als bewegtere Fortsetzung der statischen norddeutschen Tiefebene. Ach der mittelalterliche Charakter des Ortes mit seinen Fachwerkhäusern faszinierte Koepke, vielfach dienten ihm die Schwalenberger Häuser als Motiv; aber auch die Burg, und die Umgebung von Schwalenberg mit den Bergen und Tälern um Schieder, Brakelsiek, Falkenhagen, Niese und Lothe sowie die Weserdörfer Richtung Höxter.

Koepke bewunderte das Aufblühen der Schwalenberger Landschaft im Frühjahr und liebte die Laubfärbungen des Herbstes; weshalb das Ehepaar Koepke seit 1927 jedes Jahr für mehrere Wochen im Frühjahr und im Herbst nach Schwalenberg reiste.  Zu anderen Malern der Freilichtmalerei, die sich in Schwalenberg aufhielten, wie Hans Licht, Friedrich Eicke oder den beiden Kämmerern, entwickelte Koepke nur sporadische Kontakte, da die anderen Künstler hauptsächlich im Sommer kamen.

(M.Granados)

 

Bild der Woche 10

Robert Kämmerer, d.Ä. (Kassel 1870 –1950 Berlin): Das Mörth bei Schwalenberg im Herbst, Öl / Hartfaser 1925

Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: Ulrich Heinemann, Detmold.

In der Arbeit „Das Mörth im Herbst“ von 1925 fängt Robert Kämmerer der Ältere die besondere Herbststimmung im Schwalenberger Mörth ein. Orange ist die vorherrschende Farbe dieser Arbeit, im Komplementärkontrast mit dem zarten Lila-Blau der Hügel im Hintergrund und des Himmels. Die intensiv leuchtende Farbigkeit der Bäume im Vorder- und Mittelgrund, erhöht vom besonderen Blau des Himmels ist eine impressionistische Komposition, die in eine fast schon expressionistisch anmutende Farbigkeit übergeht. Der Pinselduktus ist kompakt, die Farbe teils sehr dick aufgetragen.

 

Durch seinen Sohn Robert Kämmerer-Rohrig lernte auch der Vater Robert Kämmerer der Ältere (1870-1950) Schwalenberg kennen.

Er wurde in Lippstadt geboren und wuchs in Kassel auf, wo er die Kunstgewerbeschule besuchte, lebte ab 1894 in Berlin und kam erst in Folge seines Sohnes 1921 erstmals nach Schwalenberg. Er verdiente sein Geld mit Auftragsmalereien in Kirchen und Schlössern sowie dem Kopieren berühmter Gemälde. Sein eigentliches Interesse galt jedoch der Landschaftsmalerei, seine Motive dafür fand er in der Umgebung seiner Zehlendorfer Wohnung und im Umfeld Berlins. In Schwalenberg malten er und sein Sohn oft die gleichen Motive, die sich jedoch im Stil voneinander unterschieden. Robert Kämmerer d. Ä. bevorzugte die Tempera-Technik, die für seine Schwalenberger Bilder charakteristisch wurde.  

Nachdem der jüngere Robert Kämmerer-Rohrig mit der impressionistischen Malweise experimentiert hatte, wandte er sich eher wieder einer realistischen Malweise zu, der Vater hingegen führte oft einen impressionistischen Pinselduktus, womit die Arbeiten Robert Kämmeres d. Ä. oft moderner und „jünger“ wirken als jene realistischen Kompositionen des Sohnes.

 

(M.Granados)

Bild der Woche 11

Elisabeth (Else) Ruest (Hannover 1861-1945) Fachwerkhaus mit Steintreppe in Schwalenberg, Radierung, 22,7 x 15 cm (Druckplatte) (67 x 53 gerahmt), undatiert.

Slg. Städtische Galerie Schwalenberg, Foto: Jürgen Ihle, LLM Detmold.

 

Ein Fachwerkshaus ist zu sehen, angeschnitten auf der linken Bildseite, so dass im Zentrum der Darstellung die alte, halb verfallene Steintreppe steht, die zu einem Seiteneingang des Hauses in einem halb verfallenen Anbau hochführt und scheinbar nach rechts abzustürzen droht: dort ist ein Hügelanschnitt zu sehen, der die Treppe kaum trägt.

Es ist typisch für Elisabeth Ruest, die Aufmerksamkeit der Betrachter auf solche unscheinbaren Ecken und Winkel einer Stadt zu lenken: Ansichten, die zunächst einmal nicht im Mittelpunkt der Betrachtung stehen würden, aber den Charme eines historischen Ortes ausmachen.

Von Elisabeth Ruest sind nicht viele Arbeiten erhalten. Die bekannten Radierungen jedoch sind in feinsinninger realistischer Art gehalten mit Liebe zum Detail und einem Blick für besondere Ecken, die dem Auge sonst entgehen könnten. Die Radierungen weisen eine feine Differenzierung des Lichtes auf und leben neben der Liebe zum Detail auch von der jeweiligen Lichtsituation im Bild.

Elisabeth Ruest wurde am 19. April 1861 in Hannover geboren, wo sie auch am Polytechnikum studierte. Darauf folgte eine Ausbildung an der Malerinnenschule in Karlsruhe in den Jahren 1890/91 sowie in den Jahren 1869/97 als Schülerin von Victor Roman (*1841), Hans Richard von Volkmann und Wilhelm Krauskopf. Seit 1899 war sie Privatschülerin von Hermann Gattiker in Zürich, in den Jahren 1901/02 studierte sie an der Kunstgewerbeschule in Zürich, ebenfalls bei H. Gattiker. Später zog sie zurück nach Hannover; 1931 lebte sie in Hannover in der Sedanstr. 16.

Im Jahr 1908 besuchte sie zum ersten Mal Schwalenberg in Lippe; in den folgenden Jahren kehrte sie jeden Sommer dorthin zurück, bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges. In Schwalenberg schuf sie eine Vielzahl an Radierungen, Lithografien, Aquarelle und Ölbilder, häufig mit Schwalenberger Stadtmotiven, die sie in Hannover ausstellte und damit maßgeblich zur Popularität Schwalenbergs in Künstlerkreisen beitrug. Schwalenberger Motive präsentierte sie erstmals auf der Herbstausstellung des Kunstvereins Hannover 1910.  

In den Jahren 1911 und 1912 waren ihre Bilder auch auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen, es ist denkbar, dass der Kontakt nach Berlin durch ihre Berliner Malerkollegen in Schwalenberg zustande kam – wie Hans Bruch, Hans Licht und Franz Born. Elisabeth Ruest war beeindruckt von der Malweise des wesentlich jüngeren Hans Bruch und ließ sich davon inspirieren.

Letztmals fand sie Erwähnung anlässlich der Herbstausstellung des Kunstvereins Hannover im Jahre 1935, wo sie unter anderem mit den beiden Werken „Blick auf Schwalenberg“ und „Ratsstube in Schwalenberg“ vertreten war.

Elisabeth Ruest starb bei dem großen Bombenangriff auf Hannover am 28. März 1945, dem vermutlich auch ein Großteil ihrer Bilder zum Opfer fiel.

 

(M.Granados)